Frankfurt Ironman

Die Hitzeschlacht von Frankfurt
Am 28. Juni war es endlich so weit: Ironman Frankfurt. Der große Tag, auf den André Schumann und ich monatelang hingearbeitet hatten.
Doch ausgerechnet in der Wettkampfwoche rollte die größte Hitzewelle seit Beginn der Wetteraufzeichnungen über Deutschland. Nach den Absagen des Halbmarathons in Hamburg und des Ironman 70.3 in Nizza entschieden sich auch die Veranstalter des Ironman Frankfurt – in Abstimmung mit der Stadt Frankfurt – für eine verkürzte Wettkampfdistanz.
Auf dem Programm standen nun noch 3,8 km Schwimmen, 125 km Radfahren und 21,1 km Laufen. Ein kompletter Ironman war es damit zwar nicht mehr. Zunächst war ich darüber sehr enttäuscht. Rückblickend war es jedoch die einzig richtige Entscheidung. Die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer mussten stundenlang in der brütenden Sonne ausharren, und auch die Rettungsdienste arbeiteten bereits ohne Großveranstaltung an ihrer Belastungsgrenze.
Um 6:00 Uhr standen wir am Langener Waldsee. Was wir dort hörten, konnten wir zunächst kaum glauben: Die offizielle Wassertemperatur betrug in einem Meter Tiefe rekordverdächtige 29,1 Grad – so warme Temperaturen wurden laut Moderator vor Ort noch nie gemessen. Um 6:20 Uhr gingen die Profis ins Wasser, zehn Minuten später folgten die Agegrouper im Rolling Start.
Nach knapp eineinhalb Stunden war ich endlich aus der gefühlten Badewanne zurück an Land. Auf dem Weg zur ersten Wechselzone noch schnell ein Gel, dann Helm auf, Radschuhe an und los.
Die erste Radrunde fühlte sich überraschend gut an. Immer wieder standen Anwohner an der Strecke und sorgten mit Gartenschläuchen und Wassereimern für willkommene Abkühlung. Mein Speedmax lief auf den gesperrten Straßen hervorragend. Über den berühmten Heartbreak Hill in Bad Vilbel ging es hinauf und anschließend mit viel Tempo zurück Richtung Frankfurt.
In der zweiten Runde änderte sich das Bild. Die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel, die Temperaturen stiegen weiter, und der Asphalt schien förmlich zu glühen. Jetzt wurde aus dem Rennen endgültig eine Hitzeschlacht.
Die abschließende Laufstrecke führte in zwei Runden entlang des Mains. In der ersten Runde zählte ich nicht die Kilometer, sondern die Verpflegungsstationen. Jede einzelne war überlebenswichtig. Wasser trinken, Eis in den Trisuit, Schwämme auf Kopf und Nacken – jede Möglichkeit zur Kühlung wurde genutzt.
Bei Kilometer 9 wartete dann ein ganz besonderer Moment. Dort hatten unsere mitgereisten Unterstützer der Triathlonfreunde Laubenheim ihren Platz gefunden. Sie feuerten mich lautstark an und schrien mich förmlich in die zweite Runde. Das gab noch einmal einen gewaltigen Motivationsschub.
Beeindruckend war aber nicht nur die Unterstützung für die eigenen Vereinskameraden. Jeder Athlet wurde angefeuert, beklatscht und motiviert. Die Zuschauer bildeten sogar Menschenketten bis zum Main, um Wasser heranzuschaffen und die Läufer auf der Strecke zu kühlen. Dieser Zusammenhalt war einfach großartig.
Die zweite Laufrunde fiel mir dadurch deutlich leichter als die erste. Als ich schließlich nach 8 Stunden und 25 Minuten über den roten Teppich auf dem Frankfurter Römerberg lief, waren Hitze, Schmerzen und Erschöpfung für einen Moment vergessen.
Auch wenn es an diesem Tag „nur“ ein Dreiviertel-Ironman war, bleibt dieser Zieleinlauf für mich unvergesslich. Nicht wegen der Zeit oder der Distanz, sondern weil dieses Rennen allen Beteiligten alles abverlangt hat – Athleten, Helfern und Zuschauern gleichermaßen.

André finishte nur eine Woche später die komplette Ironmandistanz in Roth. Aber das ist eine andere Geschichte

Thomas Behr

WE WILL NEVER TRIALONE